Digitale Volumentomografie in der KFO



Neues Röntgen, neue Erkenntnisse und ein Blick in die Zukunft. Ein Beitrag von Prof. Dr. Gerhard Polzar Polzar und Dipl.-Inform. Frank Hornung.

(mit Auszügen aus der Erstveröffentlichung in der KFO-Intern ISSN-Nr. 16193695, S.98-109, 3-4 2013)


Die Einschätzung einer Zahnform kann z. B, ein therapeutisch wichtiges Kriterium sein um entscheiden zu können, ob und wann ein Zahn besser eingeordnet wird oder ob Zähne zu extrahieren sind (Bild 39). Mesiodentes (Bild 40) und hyperplastische verlagerte Weisheitszähne (Bild 41) lassen sich erst im DVT einwandfrei befunden und in ihren Ausmaßen beschreiben.



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Bild 39
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Bild 40
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Bild 41


Bild 39: Patientin mit Nichtanlage der seitlichen oberen Schneidezähne mit Michzahnpersistenz und Mesialverlagerung der Eckzähne. Eine baldige Therapie mit Extraktion der persistierenden Milchzähne ist zur guten Bisseinstellung und zur Vermeidung von Wurzelresorptionen an den oberen Inzisiven erforderlich.

Bild 40: Patient mit einem Mesiodens direkt am Nasenseptum mit Krone in cranialer Richtung. Da dieser Mesiodens hier keinen Schaden anrichten kann und auch die anderen Zähne in keiner Weise stört, kann er in situ belassen werden. Auf dem OPT war der Mesiodens kaum zu erkennen.

Bild 41: Retinierter dysplastisch-makrodonter Weisheitszahn 28.




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Bild 42

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Bild 43

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Bild 44

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Bild 45

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Bild 46

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Bild 47

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Bild 48
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Bild 49
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Bild 50


Bild 42-44: "Gehirnsteine" die sich im Plexus choronoideus gebildet haben.

Bild 43: Oberflächendatensatz (STL) der DVT wurde mit dem MRT-Ausschnitt der Cerebralarterien gematcht. Die Gehirnsteine wurde blau eingefärbt und die Arterien rot. Anhand der Überlagerung ist ersichtlich, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Arterioskleose handelt, sondern in der Regio des Plexus choronoideus liegt, aus dem der Gehirnliquor gebildet wird.

Bild 44: Gleicher STL-Match der DVT- und MRT-Aufnahme von dorsal. Mit dieser Ansicht wird die von den Arterien cranial gerichtete Lage noch deutlicher.

Bild 45-46: Tonsillolit, ein Tonsillenstein ist immer ein Zeichen einer chronisch persistierenden oder wiederkehrenden Entzündung.

Bild 47: Ösophagussklerosen mit einer deutlichen Steinbildung.

Bild 48: Schnittbildansicht der Ösophagussklerose.

Bild 49: Das isolierte Steinchen in hoher 3D-Vergrößerung

Bild 50: Transmandibulararterie, eine Variation der Natur.



Zufallsbefunde, wie Gehirnsteine (Bild 42-44), Tonsillensteine (Bild 45-46), Ösophagussklerosen (Bild 47-49) oder die häufigen Variationen arterieller und venöser Blutgefäße (Bild 50) sind zwar nicht zur rechtfertigenden Indikation geeignet, geben aber bei den Patienten zusätzliche manchmal hilfreiche Befunde.



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Bild 51
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Bild 52
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Bild 53
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Bild 54
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Bild 55


Bild 51: Nach kieferorthopädischer Therapie mit festsitzenden Apparaturen sind in diesem DVT-Schnittbild deutliche Spuren der zu großen Kraftapplikation sichtbar. Die Wurzel des mittleren Frontzahnes ist fast zur Hälfte resorbiert.

Bild 52-55: Damonbehandlung, geschädigte 22 jährige Patientin. Alle Zahnwurzeln wurde in Folge unkontrollierter Bewegung mit selbstligierenden Systemen und superelastischen Bögen aus dem Knochenfundament herausgedrückt und stehen jetzt vor dem Alveolarkamm. Die Patientin hatte eine vierjährige DAMOM-MB-Therapie mit superelastischen Drähten bei visceralem Schluckmuster hinter sich. Sie wunderte sich, dass ihr Zahnfleisch sich in der Front so weit zurückgezogen hatte.

Bild 52: Schnittbild in der horizontale Ebene. Die unteren Frontzähne stehen im vestibulären Bereich außerhalb des Alveolarknochens.

Bild 53: Parasagittaler Schnitt durch den unteren linken Eckzahn. Es ist deutlich erkennbar, wie weit der Eckzahn aus seiner Zahnbogenmitte herausgedrückt wurde. Eine darauf folgende Gingivarezession ist unvermeidlich.

Bild 54-55: Die 3D-Gesamtansicht macht das ganze Ausmaß der iatrogenen Schädigung sichtbar. Front- und Seitenzähne sind außerhalb der Alveolarkammmitte positioniert.



Eine aus Sicht des Autors sehr wichtige Indikation zur DVT ist die Feststellung der Beschaffenheit der alveolären Knochensituation in der Erwachsenentherapie, bei Zweitbehandlungen zur Kontrolle der idiopathischen Wurzelresorptionen und bei Rezidivfällen. (Bild 51) Will man hier unliebsame posttherapeutische Überraschungen vermeiden, so ist eine Kontrolle des marginalen Alveolarknochens vor Therapiebeginn entscheidend. (Bild 52-55) Eine exaktere Bestimmung zum Ausmaß der erforderlichen approximalen Schmelzreduktion zur Vermeidung einer Extraktionstherapie ist ein wichtiger Vorteil für den Patienten.


So wie sich die Panoramaschichtaufnahme in der Zahnheilkunde und insbesondere in der frühen Diagnostik zur Bestimmung einer kieferorthopädischen Therapie etabliert hat, wird die DVT in den nächsten Jahren einen festen Platz in der Kieferorthopädie einnehmen. Es ist zu vermuten, dass sie die bisher genutzten radiologischen genutzten Untersuchungsverfahren weitgehend ablösen wird.


So ist es nur zu begrüßen, wenn gerade junge neue kieferorthopädische Praxen gleich mit einem DVT-Gerät beginnen, um von Anfang an die richtige Sichtweise für ihr Fach im Auge zu behalten.


Die DVT-Geräte der neueren Generation haben durch gepulste Technik eine weiterhin reduzierte Strahlenbelastung bei noch höherer Präzision. Auflösungen von bis zu einem zehntel Millimeter sind möglich. Alle Gewebestrukturen und die Atemwege sind individuell separat in beliebiger Transparenz und Farbkombination darstellbar! Dies erleichtert neben der herkömmlichen Befundung in zwei Ebenen die Übersicht und macht auf wichtige Dinge und Unregelmäßigkeiten noch schneller aufmerksam.


Spitzengeräte, wie das WhiteFox der Firma Acteon (in Deutschland über die Firma Dorn medical zu beziehen) sind dazu noch kalibrierbar. Hier gewinnt der Arzt zusätzliche wichtige Informationen, da er die Gewebedichte nach Hounsfield exakt bestimmen kann. Dies erleichtert Rückschlüsse auf die Qualität und Beschaffenheit der untersuchten Strukturen.


Das Beleuchtungsfeld schließt alle für den HNO-Arzt wichtigen Bereiche mit ein. So wird der HNO-ärztliche Nachbar zum Überweiser oder Kooperationspartner. Eine zusätzliche Aufnahme für den Implantologen oder Oralchirurgen stärkt die Zusammenarbeit in der Erwachsentherapie.


Die Preise der neueren Geräte sind mittlerweile auf einem für jeden Kieferorthopäden erschwinglichen Bereich gerückt, so dass nichts im Wege stehen sollte, die Kieferorthopädie mit einem neuen Auge, einer neuen, erhellenden Brille zu sehen! Das ist spannend, aufschlussreich und macht noch Spaß dazu. Die Patienten werden es begrüßen, in einer umsichtigen und modernen Praxis gut aufgehoben zu sein.


Oder!? Erklären Sie doch bitte mal einem Blinden, wie die Farbe Rot schmeckt?!


(Dieser Artikel enthält Auszügeaus dem Beitrag "DVT - PraktischerNutzen in der Kieferorthopädie",KFO-intern, Heft 3-4 2013,S. 98-109), ISSN 1619-3695



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Bild 56, Wurzelspitzenresorption

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Bild 57, Zahnwurzelspitze

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Bild 58, Wurzelspitzenresorption 2
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Bild 59, Wurzelspitzenresorption 3


Bild 56-59: Erwachsene 49-jährige Patientin während der Behandlung mit einem Computersystem, welches automatisch die Bögen nach den Slots der Brackets in angeblich idealer Weise biegt. Durch etliche Versuche des Behandlers dennoch eine individuelle Verbesserung des Torques zu erreichen, haben sich die Frontzahnwurzeln weitgehend aufgelöst. Massive zu starke Kräfte und konterdirektionale Bewegungen haben zu dieser erheblichen idiopathischen Wurzelresorption geführt. Ein weiteres Torquen der Zähne mit verkürzten Wurzeln mag zwar jetzt vielleicht besser gelingen, weil die Wurzelspitzen fehlen, die Langzeitprognose zum Erhalt dieser vorresorbierten Zähne sieht jedoch düster aus. Der Patientin ist dieser Schaden durchaus bewusst, da sie selbst als Zahnärztin praktiziert.


Bild 56: Sagittalschnitt durch die mittleren Frontzähne. Deutlich sind die idiopathischen fortgeschrittenen Wurzelresorptionen zu sehen. Die Zahnwurzel ist schon Kürzer als die Zahnkrone. Der den Zahn haltende Alveolarsaum ist entweder verschwunden oder schon so dünn, dass er von der auf 0,15 mm Auflösung eingestellten Röntgenaufnahme nicht mehr zu sehen ist.


Bild 57: In dieser Abbildung sind nur die Zähne mit der Multibandapparatur in situ dargestellt. Die Verkürzung insbesondere der mittleren oberen und unteren Schneidezähne fallen mit der 3D-DVT Aufnahme besonders gut auf.Eine Behandlungspause mit anschließendem Wechsel zu einer moderaten Alignertherapie erscheint die einzige Alternative, um diesen Fall noch abzuschließen.


Bild 58: 3D-Darstelllung mit Saggitalschnitt durch die Front und kolorierter Markierung der Zähne: Die Zähne sind nicht mehr in dem Alveolarfach eingebettet, sondern sitzen auf dem Knochen mit stumpfem Wurzelende auf.


Bild 59: Sagittalschnit gleiche Patientin mit Schnitteben durch die benachbarten Zähne 21 und 31, mit deutlichn Resorptionserscheinungen.



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Bild 60
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Bild 61
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Bild 62

Bild 60-62: Die von dorsal parasagittale Ansicht des ersten Quadranten gibt die falsche Wurzelstellung sehr deutlich wieder. Zu starke Bögen und eine nicht individuelle Bögenform, die den Afroamerikanischen genetischen Hintergrund nicht berücksichtigt, hat zu dieser alveolarexzentrischen und unphysiologischen Stellung der Zahnachsen geführt. Die Wurzelspitzen stehen schon außerhalb des Knochens und die Zahnkrone des Zahnes 25 ist zu weit nach palatinal inkliniert. Insbesondere der Zahn 25 zeigt eine sehr ungünstige Platzierung im vorhandenen Alveolarkamm. Die Speesche Kurve wurde der Extraktionstherapie geopfert. Die oberen Frontzähne stehen viel zu steil im Kiefer und die Bisslage auf der rechten Seite stimmt ebenfalls nicht mehr. Ein vorzeitiger Zahnverlust in Folge multipler iatrogener Schädigungen vom Zahnarzt und vom Kieferorthopäden ist das voraussichtliche Schicksal dieser sehr sportliche und gesundheitsbewussten Patientin.


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Diese Seite, Veröffentlichung aus Kieferorthopädischen Nachrichten, KN 5/2014 als PDF